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Schiefe Ebenen gehören zu den täglichen Herausforderungen beim Verlegen von Gehwegen. Wie das funktioniert, probiert Pascal Stier (14) von der Erich-Kästner-Schule aus. (Foto: cf)
Schiefe Ebenen gehören zu den täglichen Herausforderungen beim Verlegen von Gehwegen. Wie das funktioniert, probiert Pascal Stier (14) von der Erich-Kästner-Schule aus. (Foto: cf)

Wetterauer Zeitung 30.03.2012


Jugendliche schnuppern ins Berufsleben hinein


Bad Vilbel/Karben (cf). Mit dem Bagger oder Zwölftonner fahren, Pflaster und Leitungen verlegen, Stäbe löten, Eisen schmieden, Schilder bemalen oder mit Lackierpistole arbeiten: Das Angebot an handwerklichen Tätigkeiten war beim dritten Projekttag »Handwerk(en) hat goldenen Boden« groß.


Für viele Schüler aus den siebten und achten Haupt-, Real- und Förderschulklassen in Bad Vilbel, Karben und Rosbach erfüllte sich ein Traum. Endlich konnten sie einmal selbst anpacken oder etwas herstellen.

 

Dass dazu neben handwerklichem Geschick und technischem Verständnis auch Köpfchen und theoretisches Wissen gefragt sind, merkten die Schüler beim Praxistest schnell. Ermöglicht wurde ihnen diese Einblicke ins Berufsleben von der Initiative für Arbeit – Südliche Wetterau und 36 teilnehmenden Betrieben. Rund 100 Jugendliche aus vier Schulen konnten auf dem Gelände des Berufsbildungswerkes Südhessen (Bbw) in jeweils fünf von 15 Berufen hineinzuschnuppern. Mit dabei waren die Brunnen- und John-F.-Kennedy-Schule (beide in Bad Vilbel), die Kurt-Schumacher-Schule (Karben) und die Erich-Kästner-Schule (Rosbach).

 

Mit dem Slogan »Jeden Tag hitzefrei« warb eine Firma aus Okarben für den Beruf des Kälteanlagenbauers. Der »coolste Job der Welt« in der Kälte- und Klimatechnik beinhaltet fundierte Kenntnisse in vielen Bereichen. Mechatroniker für Kältetechnik sind Macher, die Hände und Kopf gleichermaßen einsetzen können. Sie müssen kontaktfreudig sein, sich für Energie- und Umwelttechnik interessieren. Das Installieren moderner Wärmepumpen und Umwelttechnologien, der Einsatz von Kältemitteln und anderen Stoffen gehört wie die fachgerechte Inbetriebnahme von Geräten und die Reparatur komplexer Anlagen zum Beruf.

 

»Ihr solltet Geometrie mögen, gute Mathekenntnisse mitbringen, fit im Kopf- und Volumenberechnen sein«, lautete die Empfehlung bei den Tief-, Straßen- Stahlbetonbauern und Maurern. »Tiefbauer sind Schiefbauer«, denn überall auf Straßen, Plätzen und Gehwegen gebe es Gefälle, damit Regenwasser schnell ablaufen könne, erzählten die Experten.

 

Farbige Zukunft und schiefe Wege

 

Sieben Realschüler aus der Kurt-Schumacher-Schule malten ein Plakat mit der Aufschrift »Farbige Zukunft«. Sabooh und Maira wissen noch nicht, was sie einmal lernen wollen. Leon interessiert sich für den Beruf des Gärtners, Julia will Autorin werden, Ramona Kosmetikerin. So wie diesen 13-Jährigen geht es vielen Jugendlichen, die auf dem Bbw-Gelände mit Lehrern und Mentoren unterwegs sind. Bausteine für beruflichen Erfolg sind Selbstvertrauen, Wagemut und der Wille, immer wieder offen für Neues zu sein, erfahren die Schüler von Meistern, Gesellen und Auszubildenden. »Im Handwerk zählt nicht, woher man kommt, sondern wohin man will«, sagte Andreas Maletzke von der Handwerkskammer Wiesbaden, die acht Landkreise betreut. Fachkräfte würden gesucht werden, ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt seien sehr gut.

 

Mathe-Formeln bereiten Probleme

 

Dass Handwerk goldenen Boden hat, ist eine alte Volksweisheit. Mit Handwerk wird der Berufsstand und die gewerbliche Tätigkeit bezeichnet bei der meist ein Produkt oder eine Dienstleistung für einen Verbraucher hergestellt wird – im Gegensatz zur Massenfertigung durch die Industrie. In Deutschland gibt es 55 Handwerkskammern und 42 Zentral-Fachverbände, die im Zentralverband des Deutschen Handwerks zusammengeschlossen sind. Mit mehr als fünf Millionen Beschäftigten zählt das Handwerk zu den größten Wirtschaftszweigen in Deutschland, betonte der Rockenberger Werner Ulowetz, Kreishandwerkermeister Wetteraukreis und Obermeister Elektroinnung.

 

Die positiven Reaktionen der Schüler beim Aktionstag gaben den Machern der Initiative – unter anderem Peter Nickel, die Bürgermeistern Thomas Stöhr (Bad Vilbel) und Guido Rahn (Karben), Peter Walter vom Staatlichen Schulamt, Ralf Heß und Elke Beeck vom Bbw, Jutta Jockel von der Agentur für Arbeit oder Daniel Dietz von der KSS – Recht. Das handlungsorientierte Begreifen am Aktionstag helfe Schülern bei der bewussten Entscheidung für ein Praktikum, sagten sie. Sie lernten Berufe kennen, von denen sie bisher nichts oder nur wenig wussten. »Schüler merken sich, wie eine Eisenstange, eine Schnecke oder ein Hufeisen gebogen wird, aber oft nicht eine mathematische Formel«, fasste Dietz seine Erfahrungen aus den beiden ersten Aktionstagen zusammen.

 


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